47_IMG_7216War der Spruch eines Kollegen, der auch Jahrzehnte als technischer Redeakteur unterwegs war. Als promovierter Ingenieur muss er es ja wissen. Und er ist nach wie vor als absoluter Experte unterwegs.

 

Promovieren kommt von probieren?

Nein, natürlich nicht. War nur so ein Wortspiel. Aber manchmal denke ich: Benutzen die Leute eigentlich ihre eigenen Produkte? Wer hat sich von den Herstellern noch nie darüber geärgert, dass man die Wurstverpackung nicht öffnen kann? Das steht zwar groß und breit, „hier öffnen“, aber auch, wenn man dann sogar mit der Schere eine Ecke abschneidet, hier und da versucht einen Anfang zu machen… Die Verpackung ist einfach „widerspenstig“. Nach gefühlten fünf Minuten hat man schon keinen Hunger mehr. Da könnte man auch glatt „woanders öffnen“ draufschreiben – dann hätte der Schriftzug zumindest recht. Außerdem frage ich mich: warum ist es immer noch nicht besser geworden, ein besonderes sonniges Trinkpäckchen zu öffnen – seit den 80ern!

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Kostenreduzierung erzeugt Mehrkosten

In vielen Fällen, davon bin ich überzeugt, führen „Sparmaßnahmen“ zu Mehrkosten. Controller werden „gefeiert“, weil sie die einzigen sind, die Geld verdienen. Ich habe ja elf Jahre lang Industriebetriebslehre und Arbeitsvorbereitung an einer Technikerschule unterrichtet. Geld verdienen nur die Kostenträger, also die Produkte und Dienstleistung bringen das Geld in die Kassen. Also die Menschen, die die Produkte erfinden, herstellen und natürlich verkaufen. Die Controller können helfen, den Kostenüberblick zu behalten und hier und da natürlich der Einkauf, der irgendwelche Produkte günstiger einkauft.

Ich will es an einem Beispiel festmachen: Der Ingenieur berechnet die Laufzeit eines Wälzlagers und wählt dann das richtige Wälzlager aus. An einer preiswerten Bohrmaschine geht man davon aus, dass der Nutzer die vielleicht zehnmal im Jahr benutzt und maximal eine Stunde einsetzt. Die Bohrmaschine funktioniert daher locker zehn Jahre und länger. Wird die Bohrmaschinen aber zwei Mal pro Monat eingesetzt, um ein Auto zu polieren, übersteht das Werkzeug nicht einmal die Garantiezeit.

Was will ich damit sagen? Natürlich ist es wichtig, dass man immer den Herstellungspreis beachtet. Das beste Produkt (oder nichts, so Mercedes) wird zum Ladenhüter, wenn der Preis nicht stimmt.

Ein interessantes Beispiel ist Yeti: Die haben sich darauf spezialisiert, Kaffeebecher und Trinkflaschen herzustellen, die 24 Stunden warm oder kalt halten. Sie haben quasi das Rad nicht neu erfunden, denn das Rad (Kaffeebecher und Trinkflaschen) gibt es ja bereits lange in alle möglichen Farben, Ausführungen, Preisklassen. Sie wurden ihr Produkt nicht los – und haben dann die Preise drastisch erhöht, um wenigstens keine Schulden zu machen. Und ZACK war die Nachfrage enorm. Jetzt stellen sie auch tolle Kühltaschen her und T-Shirts. Sie haben es zu einer Marke gemacht und geschafft – sodass man auch schon mal fragt: Haste meinen Yeti gesehen? Also wurde das Rad quasi doch neu erfunden ;)

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Wie funktionieren Luxusprodukte?

Für Luxusprodukte gelten andere Regeln. Da geht es natürlich auch um Design und Technik. Machen wir es am Beispiel Porsche Taycan Turbo fest. Mit einem durchschnittlichen Preis von etwa 175.000 Euro sorgt er für Exklusivität. Kaum ein „Normalsterblicher“ kann so viel Geld für einen Sportwagen ausgeben. Hier können die Designer und Ingenieure aus dem Vollen schöpfen. Der Taycan fährt 270 km/h, kann mit 270 kW an einem Schnelllader in nur 30 Minuten auf 80 Prozent geladen werden. Aber auch hier muss gespart werden, vielleicht nur in den Ecken, in die man nicht so genau hinschaut… Die Navigation war leider bei dem Presseauto vor etwa einem Jahr auch noch nicht so der Hit. Ich hoffe, da hat man investiert – obwohl man diesen „Luxus“ dann nicht sieht. Da machen 22 Zoll Räder mehr her.

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Wie hoch sind die Mehrkosten?

Mich würde einmal interessieren, wie teuer so eine Kostenreduzierung werden kann. Klar ist, wenn ich an nur 100 Stellen in einem Auto 5 Euro sparen kann, sind das 500 Euro – bei 1 Million Autos sind das schon 500 Millionen Euro. Das ist natürlich viel Geld. Aber was kosten Rückrufaktionen, weil gespart wurde und ein zu preiswertes, minderwertiges Teil verbaut wurde? Das müssen auch Millionen gezahlt werden und sorgt zudem noch für einen Image-Schaden, der noch wesentlich teuer werden kann. Also, liebe Controller und „Sparfüchse“: hört auch manchmal auf eure Ingenieure.

Am Beispiel Socken

coronamaske-wichtel-schneemann-frohes-neues-jahr-2021-0013.gif von 123gif.de Download & GrußkartenversandWarum habe ich jetzt eigentlich diesen Beitrag geschrieben? Ich habe heute Morgen nagelneue Socken angezogen. Design und Qualität waren perfekt. Die sind für Schuhgröße 45 bis 47 konzipiert. Müssten also passen. Ich habe die Socken fast nicht anziehen können, weil die Öffnung zu klein und der Gummibund zu stramm waren. Heute Abend muss ich die Socken wohl „aboperieren“. Hat der Hersteller die Socken irgendwann man ausprobiert?

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