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Porsche 997 GTS


Porsche 997 GTS – Kunst in ihrer schönsten Form

Felix SutschekSoviel vorweg: Porsche hat mit dem 911 GTS der Baureihe 997 mal wieder eine Nische geschaffen und sie gleich einzigartig besetzt. Diese Mischung aus Komfort, Luxus und sportlichem Potenzial ist sehr sehr rar gesät.

Fangen wir einfach mal Außen an: Tief, breit, dynamisch brauche ich nicht zu erwähnen. Man könnte fast meinen, er versucht nicht aufzufallen, so bemüht unscheinbar kommt er rüber. Die klassische Form sorgt dafür, dass er sofort als Porsche erkannt wird, aber es gibt eben auch noch viele andere Porsche die ähnlich aussehen. Details wie Zentralradmutter an den Felgen fallen erst auf den zweiten Blick auf.

Innen geht’s weiter. Leder und Alcantara wohin das Auge reicht. Perfekt verarbeitet. Nur so kann man es treffend beschreiben. Die Sitze passen wie angegossen, das Lenkrad fühlt sich phänomenal an und ist vor allem nicht überladen. Lenkrad, Schaltpaddel dahinter – fertig. Keine schnick schnack Knöpfe für Telefon und Radio und Tempomat oder sonst was.

Betörendes Bollern

Auf geht’s, losfahren. Jetzt die große Überraschung. Mit einem betörenden Bollern beim Anlassen ist das Monster im GTS erwacht. Nur ist es keines. Wenn man einfach nur den Schlüssel rumdreht und losfährt ist das Auto derart unspektakulär, dass man sich fast schon fragt, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Drehmoment ohne Ende sorgt dafür, dass innerhalb kürzester Zeit der siebte Gang anliegt, dann surft man mit im Straßenverkehr. Hier und da dreht sich ein Passant nach dem Auto um. Ob neidische oder bewundernde Blicke kann ich nicht sagen. Ich bin zu sehr ich damit beschäftigt zu lernen das Auto zu verstehen, zu erspüren. Wobei seine Signale sehr subtil sind: Trotz der Sportlichkeit ist der Motor innen kaum zu hören. Kurze Stöße werden erstaunlich gut glattgebügelt. Ich fange an und erlebe einem komfortablen Grand Turismo (GT). Fehlt nur noch Sport (S), und fertig ist der GTS.

Porsche 997 GTS

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Biest im "Sport Plus-Modus"

Jetzt das Sport-Knöpfchen drücken und gucken ob auch Sport geht. Und ja, es geht. Jetzt schaltet er deutlich später und das Fahrwerk wird automatisch härter. Komfort ade. Das zweite Gesicht kommt zum Vorschein und ich stelle fest, tief in ihm drin lebt ein Biest, das darauf wartet von der Leine gelassen zu werden. Aus Bewunderung wird Respekt und ich bin mir nicht sicher was er wohl mit mir machen wird, wenn ich auf „Sport Plus“ drücke.

Das volle Potential wollen wir auf dem Fahrsicherheitszentrum des ADAC in Augsburg „erfahren“. Nach ein paar Aufwärmrunden wird auf der Track-Strecke dann tatsächlich aus „Sport“ „Sport Plus“. Dass das Fahrwerk noch mal härter wird, könnte ich nicht behaupten, zu eben ist der Belag auf dem FSZ. Wankbewegungen sind kaum vorhanden, waren es aber vorher auch nicht. Da er jetzt aber erst schaltet, wenn er in den Begrenzer rennt, schalte ich auf Manuell. Der Kurs ist so eng und verwinkelt, dass der GTS sonst dauernd im ersten und zweiten Gang umherwirbeln würde. Meine Befürchtungen werden wahr, es lebt ein Biest im GTS, versteckt – es wartet und lauert auf seine Chance. Wo bei normalen Autos längst der Grenzbereich schon an seine Grenzen stößt, ist der GTS noch sehr sicher unterwegs. Er vermittelt derart viel Traktion und Kontrolle, dass man erst beim Blick auf den Tacho erkennt in welchen Regionen man hier unterwegs ist. Der akustische Orkan, der jetzt im Innenraum tobt, ist unbeschreiblich. Und je länger man sich ihm hingibt, desto schöner wird er. Suchtpotenzial. Die Leistungsentfaltung des Motors und die schier endlose Traktion sind eine Liga für sich, das ESP, oder PSM wie Porsche es nennt, greift zwar ein, aber so gut abgestimmt, dass man es eigentlich nicht merkt.

Das Biest hat mich infiziert

Und dann hat das Biest mich infiziert, ich will es wissen. Was passiert, wenn ich es von der Leine lasse? Mit Tränen der Freude in den Augen stelle ich fest, wie gutmütig der GTS mir seinen Grenzbereich ankündigt. Sehr sanft schiebt er über die Vorderachse und sagt mir genau, wann er schiebt und wann nicht. Ich spüre sofort, wenn er auf der Hinterachse von der Rollreibung in die Gleitreibung übergeht. Den entscheidenden Moment zum Gegenlenken bekomme ich auf einem silbernen Tablett serviert. Ich merke auch genau wohin die Vorderräder wollen. So einfach hab ich mir das nicht vorgestellt. Ich fühle mich als Teil des Biestes. Zusammen sind wir eine Einheit, wir werden schneller und schneller… und dann holt die Realität uns ein. Jäh werden wir auseinander gerissen. Die Zeit auf dem FSZ ist um. Ich fühle mich, als wäre ich aus einem schönen Traum geweckt worden. Das Knacken des abkühlenden Metalls und das Rauschen des Lüfters holen mich sanft in die Wirklichkeit zurück. Es klingt fast, als wolle das Biest, das wieder in seinem Versteck zurückgegangen ist, noch einmal leise Tschüss sagen.

Fazit

Für mich ist der 997 GTS das perfekte Auto. Gut, er hat keinen vernünftigen Laderaum und, Achtung, Kritik: Er hat diese völlig unverständliche, unlogische Schaltrichtung am Schalthebel, sprich, ich muss im manuellen Modus nach vorne drücken um hoch zu schalten und nach hinten ziehen um runter zu schalten. Aber das kann ich ihm verzeihen. Für das Schaltermanko gibt’s die Automatik oder die Schaltpaddels. Für den fehlenden Laderaum hat man den Lieferservice erfunden. Der GTS ist ein Gleiter, wenn er darf und ein Supersportler wenn er soll. Eine Komposition, die beiden Bedürfnissen in erstaunlich hohem Maße gerecht wird. Du willst einen GT3, aber auf Dauer ist er Dir zu laut? Der Carrera ist Dir nicht sportlich genug? Nimm den GTS, der ist das Beste aus beiden Welten.

Fotos © Redaktionsbüro Kebschull

Porsche 997 GTS

Zuletzt aktualisiert am Montag, 19. Februar 2018 12:29

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